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09.07.2008
LEBENSVERSICHERER
Rauchen für mehr Rente
Von Lutz Reiche 
Ein kleiner niederländischer Lebensversicherer probt die Revolution. Starken Rauchern zahlt er eine deutlich höhere Rente. Die Rechnung ist verblüffend einfach: Wer qualmt, hat eine geringere Lebenserwartung. In Deutschland gibt es solch ein spezielles Produkt noch nicht.

Hamburg - Der Mann am Telefon hat eine Stimme so rau wie ein Waschbrett. Immer wieder räuspert er sich, so laut und tief, wie es eben nur Raucher tun. Ton Wurtz hängt seit gut 20 Jahren am Glimmstängel. Und er steht zu seiner Sucht. Der 53 Jahre alte Niederländer ist Gründer der Organisation "Stichting Rokersbelangen", setzt sich vehement für die Rechte der Raucher in Holland ein - auch vor Gericht. Schwer vorstellbar, dass die Klage seiner Organisation und zahlreicher Gastronomen demnächst das seit 1. Juli geltende Rauchverbot in Restaurants, Cafés oder Coffeeshops wieder kippen kann. Doch der Mann ist hartnäckig, und hat auch Erfolg damit.

Seinen jüngsten, in den niederländischen Medien viel beachteten Coup hat Wurtz mit einer speziellen Lebensversicherung für Raucher erzielt. Der Gedanke kreist schon lange in seinem Kopf. Denn schon lange empfindet er es als ungerecht, dass Raucher die Nichtraucher in der Lebensversicherung subventionieren. "Im Schnitt haben sie eine um acht bis zehn Jahre niedrigere Lebenserwartung als die Nichtraucher, finanzieren also deren Rente in der Regel über ihre Beiträge mit", ärgert sich PR-Manager Wurtz. Das sollten die Lebensversicherer bei der Kalkulation gefälligst berücksichtigen und den Anhängern des blauen Dunstes dann doch wenigstens eine höhere Rente zahlen.

Der niederländische Anbieter Paerel Leven hat die Idee umgesetzt. Seit März bietet der kleine Lebensversicherer eine Rentenpolice gegen Einmalbetrag speziell für Raucher an - bislang einmalig in den Niederlanden. "Wir berücksichtigen in unserer Kalkulation die eindeutig geringere Lebenserwartung der Raucher und können ihnen deshalb eine deutlich höhere Rente zahlen als die Mitbewerber", sagt Reoland Scheffer von Paerel Leven.

"Die Resonanz ist sehr gut"

Rauchen für eine höhere Rente? Das klingt absurd und mutet an, als wolle da ein Newcomer auf dem Lebensversicherungsmarkt über einen PR-Gag möglichst viel Aufmerksamkeit erregen, um neue Kunden einzufangen. "Das ist ganz bestimmt nicht der Fall", versichert Scheffer, der sich dieses Verdachts nicht zum ersten Mal erwehren muss.

Seit 2007 gibt es den Lebensversicherer Paerel Leven. Mit seiner Raucherrente hat das Unternehmen eine echte Marktlücke entdeckt und ist guter Dinge, sie auch füllen zu können. "Die Resonanz ist sehr gut", sagt Scheffer, nennt aber keine Zahlen. "Nahezu jeder dritte Niederländer raucht. Das ist ein Milliardenmarkt." Hinter der neuen Raucherrente stehe eindeutig ein "kommerzielles Interesse" - Paerel Leven gehöre weder der niederländischen Raucherbewegung an noch arbeite Wurtz für den Versicherer.

Die "Rokerslijfrente" mit ihren im niederländischen Marktvergleich günstigen Beiträgen und um bis zu 16 Prozent höheren Rentenzahlungen bis ans Lebensende bekomme selbstverständlich nicht jeder, denn das würde ja die Kalkulation über den Haufen werfen, sagt Scheffer. Der potenzielle Kunde muss nachweisen, dass er in den vergangenen fünf Jahren mindestens zehn Zigaretten täglich geraucht hat und bei Vertragsabschluss auch noch konsumiert.

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  Teil 1: Rauchen für mehr Rente
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